Das schrieb die Presse über Salinas:

Salinas Pressemitteilungen

Karl-Heinz Farni schreibt in "Die Woche" am 8 November 1996:

Wälder, Wiesen und Auen: Lüchow-Dannenberg, liebevoll auch Wendland genannt, ist eine Perle der Natur. Hier klappert noch der Storch, hier trompetet noch der Kranich, hier brütet noch der Große Brachvogel. Als Paradies erschien der nordöstliche Zipfel Niedersachsens auch der Atomwirtschaft, die Ende der 70er Jahre nach einem Plätzchen suchte an dem sie ihren hochradioaktiven Müll in Ruhe vergraben konnte. Das Wendland schien dem Traum eines Entsorgers entsprungen: fast nur von damals noch real existierender DDR umgeben, dünnstbesiedelt und die Wenigen, die hier wohnten wählten stockkonservativ. Protestpotential null. Ein einziger Blick auf die Landkarte hätte genügen müssen, Nuklearindustrie und Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zu warnen. Denn wo die Orte Namen wie Kröte, Dickfeitzen, Klöterhörn, Guhreitzen, Tolstefanz, Gohlefanz, Meuchefitz, ja sogar Salderatzen tragen, da ist mit den Einwohnern nicht gut Kirschen essen. Das fehlende Sprachgefühl derAtomlobby rächt sich nun - seit 20 Jahren. Unbeeindruckt selbst vom bundesweiten Siechtum der Anti-Atom-Bewegung, haben sich die Wenden zu den erbittertsten und schlitzohrigsten Gegnern der Atomindustrie entwickelt. Der pompöse Plan, in Gorleben ein weltweit einmaliges "Nukleares Entsorgungszentrum" zu errichten, erwies sich frühzeitig als "politisch nicht durchsetzbar" . Auch das 1984 in Betrieb genommene, auf 420 Castor-Behälter ausgelegte Zwischenlager steht bis heute fast leer: Ganze zwei Container für benutzte Brennelemente konnten nur mit Hilfe der beiden größten Polizeieinsätze der Republikgeschichte - unter Kosten von rund 140 Millionen Mark - eingelagert werden. Nur das Herzstück der Atomindustrie, das als "Entsorgungsnachweis" für den weiteren Betrieb von Kernkraftwerken notwendige Endlager, schien bislang unangreifbar zu sein. Geschickt am aufwendigen Atomrecht vorbei, rein bergrechtlich genehmigt, wird seit 1979 und bislang für rund 2 Milliarden Mark die Eignungshöffigkeit des Gorlebener Salzstocks erkundet. Das ging bisher problemlos, denn der Nordostteil des Salzstocks ist staatseigen. Um den entscheidenden, für 1998 geplanten Querstollen zu treiben, müßte das BfS in den südwestlichen Teil vordringen. Der jedoch gehört Andreas Graf von Bernstorff. Und der ist Atomkraftgegner und verkauft seine Salzrechte nicht. Deshalb leitete das Amt 1995 ein Enteignungsverfahren nach Paragraph 159 Berggesetz ein, unterschätzte dabei aber wieder einmal die Gemeinheit der Meuchefitzer, Kröter umd Salderatzener. Der Graf müsse enteignet werden, so die Argumentation des BfS, weil er seine Salzrechte gar nicht nutze. Das, "unappetitliche Pack", wie Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) die Gorlebener Widerständler anläßlich des jüngsten Castor-Transports nannte, schickte prompt seine Nadelstreifenfraktion an die Front. Um die "Bodenschätze des Gorlebener Salzstocks zu fördern und zu vermarkten", gründeten gestandene Geschäftsleute, Journalisten und Juristen Mitte August die Salinas Salzgut GmbH, die vom Grafen Bernstorff Salzabbaurechte und sechs Hektar Land pachtete und bekanntgab, nun selbst im Salz bohren zu wollen - nur 200 Meter vom Endlagerbergwerk entfernt. Was als juristischer Trick gedacht war, die Enteignung aufzuschieben, stellt die Endlagerpläne mittlerweile ernsthaft in Frage. Denn Salinas schickt sich an, wirklich zu bohren und der BfS-Kunstgriff, das Erkundungsbergwerk nicht nach Atomrecht, sondern nur bergrechtlich genehmigen zu lassen, rächt sich nun fürchterlich. Nach Bundesberggesetz hat die "Ausbeutung" Vorrang vor jeder "sonstigen Nutzung" eines Salzstocks. Und: Nach 15 Jahren Erkundung sind Aufbau und Struktur des Salzstocks so gut bekannt, daß die Erschließungskosten für Saiinas gering ausfallen werden. An Geld hapert's ohnehin nicht. Durch den Verkauf von Anteilscheinen a 500 und "Claims" a 50 Mark verfügt Salinas wenige Wochen nach Gründung ohne jede Werbung bereits über rund 150 000 Mark Kapital.

Erste Schritte zum Bohrbeginn sind getan. Eine Antragskonferenz am 22. Oktober beim Celler Bergamt verlief, so Arnulf Wenzel, Geschäftsmann und bei Salinas für die Finanzen zuständig, in "sehr kooperativer Atmosphäre, es gibt keine Auflagen, die wir nicht erfüllen könnten". Der Bohrantrag soll Ende November beim Oberbergamt Clausthal-Zellerfeld gestellt werden. Das professionelle Auftreten der Salinas-Macher läßt auch das BfS die Angelegenheit allmählich ernst nehmen. Fritz Söffker, 57jähriger Geschäftsführer bei Salinas, ist Leiter eines metallverarbeitenden Betriebs mit 50 Mitarbeitern. "Was ich mache, das mach' ich nicht aus Spaß. Für pure Symbolik hab' ich nicht die Zeit", sagt er. Er will nicht nur tatsächlich bohren, sondern auch - mit Produkten für Land- und Forstwirtschaft, Souvenirhandel und heiltherapeutische Zwecke -, im wendländischen Salzgeschäft die Marktführerschaft erringen". Der Unternehmer geht von guten Rentabilitäts-Chancen des jungen Unternehmens aus. Denn: "Unser Gorleben-Salz hat das, was Produkte heute brauchen: Image. Wlr sind von der Qualität des gewonnenen Bohrgutes weitgehend unabhängig. Was wir auch fördern, es hat für eine breite Käuferschicht einen ungeheuren Symbolwert, vergleichbar dem von Teilen der Berliner Mauer."

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